2005, als ich meine erste Dauerkarte bekommen habe, stand Bremen weit oben und war bekannt dafür, immer ein Tor mehr zu schießen, als zu kassieren. Werder Spiele waren spektakulär, wild und nie langweilig. Nichts für schwache Trainernerven, aber immer unterhaltsam für den neutralen Zuschauer. Der BVB zog öfter mal den kürzeren, aber auch nicht immer.
Als es 2010/2011 so raketenhaft aufwärts ging für die Dortmunder, begann für die Bremer der Abwärtstrend. In den letzten 15 Jahren ist die Bilanz weniger ausgeglichen und mit dem Absturz der Bremer ins Mittel- bis Untermass, hat die Borussia immer mehr Spiele für sich entschieden. Eine lange Siegesserie gab es jedoch nie und so heißt es: immer auf der Hut sein.
Die Bremer sind schon lange kein Topgegner mehr und waren zwischenzeitlich sogar in der zweiten Liga, doch im Gegensatz zu vielen anderen Gegnern, die wir im Westfalenstadion ertragen müssen, sind die Bremer wenigstens echt. Kein Plastik, kein Investor, keine erschlichene Lizenz ohne Mitglieder-Mitspracherecht. Nur zusammengekratztes Geld, falsche Entscheidungen, zu hohe Erwartungen. Ein traditioneller Fußballverein eben, mit all seinen Schwächen, aber sicherlich auch nicht weniger als das.
Und alleine deswegen sind sie mir mit all ihren Fehlern tausend Mal lieber, als die meisten anderen Besucher in unserem wunderschönen Stadion mit schimmerndem, aber am Ende falschem, künstlichem Glamour.
Doch trotz aller Liebe (und das ist ein sehr weit gefasster Begriff), muss der BVB alles daran tun, dieses letzte Spiel der Hinrunde (ja, so hab ich auch geschaut…) zu gewinnen. Die Bremer sind auswärts sicherlich keine Macht und auch sonst, trotz eines gewissen Aufwärtstrends verglichen mit den letzten Jahren, ein Gegner, den man nicht nur schlagen kann, sondern eigentlich muss.
Das wird aber alles andere als einfach werden und so braucht es auch an einem einfachen, kalt-nassen Winterabend unter der Woche ein bisschen Westfalenstadion-Magie. Oder wie der Engländer gerne sagt: "Can they do it on a cold, rainy night in Stoke?"
Ein lautes, volles, energisches Stadion kann dem BVB helfen, einmal mehr die Oberhand zu behalten. Dank dem Status von Bremen als Traditionsverein gibt es zur „musikalischen“ Untermalung davon auch genug diffamierende Lieder, die schon seit Jahrzehnten in den Stadien der Republik kursieren und die einem Traditionsduell den nötigen dreckigen Rahmen verleihen. „Alle Bremer stinken!“ - auf geht’s BVB!
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