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Rettet der BVB auch den FC St. Pauli? Moin und täglich grüßt das Murmeltier
Auswärts nach einem Sieg gegen einen Abstiegskandidaten, das kann doch nur in die Hose gehen. Erst recht, wenn der Gegner unbedingt einen Aufbaupartner nach drei Niederlagen in Folge braucht. Wer, wenn nicht Borussia Dortmund, wäre besser dazu geeignet?
Der FC St. Pauli steckt mitten Abstiegskampf. Mit null Punkten aus den letzten drei Spielen nähert man sich der Zweitklassigkeit und seit geschlagenen 340 Minuten ist man am Millerntor ohne einen Torerfolg. Überhaupt haben die Hamburger in 21 Partien insgesamt erst 18-mal getroffen und stellen damit den schwächsten Angriff der Liga. Doch die Hoffnung naht: Aus Erfahrung kann man sagen, dass der BVB gerade, wenn der Gegner Probleme in der Offensive hat, gerne aushilft und die Gegner pädagogisch zugewandt ermuntert, an ihren Schwächen zu arbeiten. Da wird aus der Statistik, dass man 20 Schüsse auf das Tor abgeben muss, um ein Tor zu erzielen, schnell ein „jeder Schuss-ein Treffer-Festival“. Dass man in der Bundesliga die Mannschaft mit den wenigsten Torabschlüssen ist, kann bei einem Spiel gegen den BVB nicht nur getrost missachtet werden, sondern geradezu als gutes Omen betrachtet werden. Was tief im Westen funktioniert, sollte doch an der Elbe nicht scheitern. Gerade dann, wenn die Konkurrenten (Bochum, Kiel, Heidenheim und Hoffenheim) sich im Aufwind befinden und man selbst mit dem Rücken zur Wand steht, kommt einem der BVB doch gerade recht.

Auch beim BVB keimt mal wieder die Hoffnung, gibt es ein Licht am Ende des Tunnels, sind alle aufgewacht, gibt es ein Ende der Durststrecke, haben alle verstanden, und so weiter und so weiter. Nach dem grandiosen 6:0 gegen Union will man jetzt endlich durchstarten und mit viel Glück, irgendwie, den ersehnten vierten Tabellenplatz erreichen. An dieser Stelle könnte man eigentlich aus den letzten Vorberichten „Copy and Paste“ betreiben. Auch der Autor dieser Zeilen hat da schon Sätze geschrieben, die einen Neubeginn, einen Neustart und die guten alten Zeiten beschworen haben. Um dann am Ende des Spieltages wieder die gleichen in Mikros gestammelten Phrasen zu hören, die versuchen zu erklären, warum ein Haufen exzellenter Einzelspieler einfach keine Mannschaftsleistung abliefern kann, die der guten alten Zeit auch nur annähernd ähnelt - wenn man sich der schreibenden Zunft überhaupt noch stellt. Zumal sich das Ganze aus Spielersicht noch mal anders darstellt: Was ist ein Hamburger Stadtteilverein schon gegen den OSC Lille? Und das Gute ist, nach der Niederlage gegen St. Pauli darf man ja wieder in der Champions League im Westfalenstadion spielen, um eine pseudo Wiedergutmachung zu betreiben, nachdem man im Hamburg an was auch immer gescheitert ist. Wer will sich denn schon verausgaben, wenn nur drei „Playstationabende“ später das wichtige Spiel gegen Lille ansteht?
Nein, der BVB 24/25 ist und bleibt ein Trümmerhaufen. Nach dem 2:4 gegen Kiel, dem 0:2 in Bochum wird man sich dementsprechend auch auf St. Pauli präsentieren. Alles andere würde den Autor dieses Textes in eine tiefe Sinnkrise stürzen, die er aber zum Wohl des Vereins bereitwillig auf sich nehmen würde.
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