Spielbericht Profis

Spielbericht SC Freiburg gegen Borussia Dortmund Vom Europa-Park in den Europapokal

05.04.2025, 20:09 Uhr von:  Sascha  
Foto einer Choreo im Gästeblock in Freiburg. Dabei sind viele Banner mit Schriftzügen "The Unity", "Desperados", "Südtribüne Dortmund", "Westfalenstadion" und weitere zu sehen

Borussia auswärts bei unserem Lieblingsgegner SC Freiburg. Die Hoffnung auf den Europapokal lebt weiter.

Eigentlich standen wir ja in dieser Saison schon mehrmals vor diesem Punkt: man hätte mit einem Sieg im nächsten Spiel wieder an die Europapokalränge aufschließen können, hat das Spiel verdaddelt und mit Abpfiff war die Saison eigentlich schon beendet. Erst recht nach dem eigentlich unglücklichen 0:2 in Leipzig, weil das weitere Programm in der Liga mit Mainz, Freiburg, Bayern und Mönchengladbach gleich reihenweise aus schweren Aufgaben bestand. Nur ausgewiesene Fachleute wie ein gewisser Sascha aus der Redaktion trauten im Schwatzgelb.de Podcast der Mannschaft fachlich fundiert zwölf Punkte aus diesen vier Spielen zu. Nunja, bis dahin ist es zwar noch ein weiter Weg, aber mit sechs Punkten nach dem Gastspiel beim Sportclub aus Freiburg liegt man voll auf Kurs und darf doch wieder ein bisschen in Richtung Europapokalplatz schielen.

Coole Schal-Choreografie des Bündnisses Südtribüne Dortmund

Eigentlich sollte man ja nicht spoilern, aber wer auch immer diesen Spielbericht liest, wird das Ergebnis von 4:1 eh schon kennen, also wollen wir mal keine künstliche Spannung erzeugen und gleich mit einem Fazit starten. Dem reinen Zahlenmaterial her, hat sich der Trainerwechsel von Nuri Sahin hin zu Niko Kovac nicht gravierend ausgezahlt. Ein Schnitt von 1,67 Punkten pro Spiel, ist zwar keine komplett andere Welt als die 1,48 seines Vorgängers, aber man muss eindeutig konstatieren, dass der BVB unter Kovac zuerst phasenweise deutlich stabiler wirkte und diese Phasen mittlerweile immer länger werden. Neben all den Fehlern, die in der Zusammenstellung des Kaders gemacht wurden, wird immer deutlicher, dass der Trainer Sahin nicht nur Opfer unglücklicher Umstände, sondern selber Teil des Problems war. Kovac ist sicherlich unverdächtig, den Weltfußball mit seiner Art, Fußball spielen zu lassen, zu revolutionieren, aber unter ihm wirkt der Fußball deutlich souveräner und weniger anfällig als zuvor. Einfach, weil er sich sehr genau angeschaut hat, was er mit diesen Spielern für einen Ball spielen lassen kann und sie dann ihren Fähigkeiten entsprechend einsetzt. Ein Gregor Kobel beispielsweise wirkt wieder deutlich verbessert, seitdem von ihm nicht mehr erwartet wird, das Spiel als erster Aufbauspieler aufzuziehen. Das mag dann am Ende zwar alles etwas wenig revolutionär und modern wirken, aber der Eindruck wird immer stärker, dass man mit dieser Mannschaft bei einer soliden Arbeit schon relativ locker um die Plätze drei und vier hätte mitspielen können. Es war, so muss man jetzt wirklich feststellen, ein riesengroßer Fehler, mit Sahin ins Jahr 2025 zu starten und bis Ende Januar an ihm festgehalten hat.

Ereignisarme erste Halbzeit - mit Führung

Karim Adeyemi sorgte für die schwarzgelbe Führung

Warum ich das alles erzähle? Weil in den ersten 30 Minuten eigentlich nicht viel passiert ist und man das Blatt ja irgendwie voll kriegen muss. Dabei war es kein schlechtes Spiel, das sich unsere Borussia, die mit einer Fünferkette aus Ryerson, Anton, Can, Bensebaini und Svensson startete, und die Freiburger lieferten. Beide Seiten übten Druck auf den Gegner aus, lauerten auf Fehler und hatten Ansätze von Szenen, die hätten gefährlich werden können – es aber nicht wurden. Und gerade in dem Moment, in dem ich mir irgendwelche Überschriften in der Art von „Weder Fisch, noch Fleisch“ überlegte, blockte Beier einen Schuss von Groß vor die Füße von Adeyemi, der den Ball ins kurze Eck schoss. Kurzes Eck? Der Fachmann wirft da direkt ein „is’ Torwarteck“ ein, aber der Freiburger Torwart Müller, dessen Vater den Schnubbi als Familienerbstück in den 80ern aus der Requisite eines Pornostudios entwendet haben muss, war da komplett schuldlos. Ich will da nicht übertreiben, aber bei der Geschwindigkeit, mit der der Ball aufs Tor kam, konnte man einen ganz kleinen Überschallknall hören. Zur Halbzeit also 1:0 für unsere Borussia.

Chukwuemeka - zuerst mit Tor, dann mit ganz feiner Technik

Und das hätte sich auch fast zu Wiederbeginn direkt wieder erledigt. Ganze 25 Sekunden dauerte es, bis ein langer Ball quer durch den Strafraum segelten und Doan mutterseelenallein vor dem Tor stand. Als BVB-Fan schlug man sich schon die Hand vor die Stirn und murmelte was von wegen „so doof können aber auch nur wir sein“. Dann aber das vielleicht sichtbarste Zeichen, dass sich bei uns etwas geändert hat. Kobel machte sich nämlich so breit, dass er den Torschuss so ablenken konnte, dass Bensebaini ihn noch rechtzeitig vor der Torlinie klären konnte. Und es kam noch besser. 

Chukwuemeka - zuerst mit Tor, dann mit ganz feiner Technik

In der 51. Minute Chelseas Leihgabe Chuckwuemeka mit seiner paradoxerweise wohl schlechtesten Szene des Spiels. Beier spitzelte bei einem Konter den Ball in den Lauf von Chukwuemeka, der völlig freie Bahn gehabt hätte, aber den einfachen Ball zuerst nicht unter Kontrolle bekam und den ganzen Angriff eigentlich schon versemmelt hatte. Trotzdem reichte es noch zu einem Torschuss von knapp außerhalb des Strafraums, den Freiburgs Lienhard für seinen Keeper unhaltbar ins Tor abfälschte. Nicht gut gemacht, trotzdem sein erstes Tor für den BVB und auf einmal eine komfortable 2:0 Führung.

Man konnte den Breisgauern nicht vorwerfen, aufzustecken – im Gegenteil. Sie erzeugten mehr Druck und wollten den Anschlusstreffer, was die Mannschaft in den schwarzen Auswärtstrikots aber mit viel Geschick und manchmal auch Glück wegverteidigte. Bis man in der 68. Minute dann selber wieder zuschlug. Hier mal Licht aus, Spot an und voll auf Chukwuemeka. Was für eine traumhafte Situation im Mittelfeld, die zeigte, dass er das Potenzial hat, einer der Spieler zu sein, wegen denen man als Fan ins Stadion geht. Mit ganz enger Ballführung an drei Spielern wie um Slalomstangen herum und dann mit dem präzise getimten Pass in die Tiefe auf Brandt. Der lief völlig allein gelassen auf Müller zu und der Querpass auf den mitgelaufenen Guirassy war so simpel, dass er den selbst in dieser absoluten Seuchenphase einfach nicht vergeigen konnte. Der Ball im Netz und ein 3:0 auf der Anzeigentafel. 

Maxi Beier m Zweikampf gegen Ex-Borusse Patrick Osterhage

Und weil man gerade so mitten drin war im feinen Fußball, wollten unsere Borussen sich auch nicht lumpen lassen und legten das 4:0 hinterher. Pascal Groß ließ mit einer wirklich feinen Bewegung an der Grundlinie seinen Gegner ins Leere laufen, weitergeleitet auf Ryerson, der zentral an den Fünfer lupfte, wo der eingewechselte Gittens völlig blank ins Tor köpfen konnte. Nicht nur das Ende von Gittens Torflaute, sondern auch das vermutlich einzige Tor seiner Karriere, das er nicht mit dem Schema zieh-in-den-Strafraum-Schuss-aufs-lange-Eck erzielt hat.

Ganz am Ende dann aber als klitzekleiner Wermutstropfen dann doch das 1:4, das von der Stadionsprecherin frenetisch mit dem dreimaligen Ausrufen des Torschützen gefeiert wurde. Gut, kann man mögen, kann man aber auch völlig albern finden. Dass es tatsächlich Fußballfans gibt, die ein Heimspiel deutlich verlieren und dann beim Ehrentreffer kurz vorm Abpfiff amtlich ausrasten können, darf bezweifelt werden. Also, was soll so ein Stumpfsinn?

Am Ende steht dann ein guter und verdienter Auswärtssieg gegen einen starken Gegner und eine Hoffnung auf die Teilnahme am Europapokal, die immer noch lebt. 

Gewohntes Bild: Der BVB jubelt im Breisgau

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