Rückblick: An seinem 39. Geburtstag erlebte der Autor dieses Vorberichts im Westfalenstadion einen souveränen 5:0-Heimsieg gegen die Schwaben, die sich damals nach einem Trainerwechsel im Aufwind wähnten. Es sollte der bis heute letzte Sieg des BVB gegen den VfB bleiben. Von den nachfolgenden sieben Pflichtspielen in Liga und DFB-Pokal verlor die Borussia fünfmal – darunter das Debüt von Niko Kovac im vergangenen Jahr. In den übrigen beiden Partien kam man über ein 3:3 nicht hinaus. Die aktuelle Sieglosserie gegen Stuttgart umfasst damit sieben Spiele.
Gegenwart: Während es für die Gastgeber am Samstag um entscheidende Punkte im Kampf um die Champions-League-Qualifikation geht, kann der BVB dank seines elf Punkte betragenden Vorsprungs vor Platz 5 bereits mit der Königsklasse in der kommenden Spielzeit planen. Dennoch ist das Spiel für die Borussia und ihren Trainer von großer Bedeutung.
Denn unter Kovac konnte man generell selten gegen Teams aus den Top 5 bestehen. In dieser Saison gelangen lediglich Siege in Leverkusen und zu Hause gegen Hoffenheim. Gegen Leipzig, München und Stuttgart blieb die Borussia – wie schon in der Vorsaison – ohne Erfolgserlebnis. Auch international sowie im Pokal fehlte gegen hochkarätige Gegner oft die Durchschlagskraft. Besonders nach der 0:2-Heimniederlage gegen Inter Mailand und dem deutlichen 1:4 in den Playoffs bei Atalanta Bergamo wurden erneut Zweifel an der Qualität von Kader und Trainer laut.
Das Spiel am Samstag bietet Niko Kovac die Chance, die Kritiker zu überzeugen und eine hartnäckige Serie zu beenden. Zugleich würde ein Erfolg beim VfB wichtige Argumente für eine vorzeitige Verlängerung seines bis 2027 laufenden Vertrages liefern. Die Vorzeichen sind dabei nicht ungünstig: Stuttgart kämpft unter Druck, der BVB reist ohne Abstiegsnot und mit breitem Kader an.
Auf individueller Ebene richtet sich der Blick besonders auf Waldemar Anton. Für den ehemaligen Stuttgarter Kapitän stellt die Rückkehr an den Neckar stets eine besondere Herausforderung dar – die lautstarken Pfiffe der Heimfans sind dabei so sicher wie das Amen in der Kirche. Bereits bei seinem letzten Auftritt dort erlebte der Innenverteidiger einen sportlich schwierigen Tag: Die Borussia unterlag unter Nuri Sahin mit 1:5. Beim Debüt von Niko Kovac wirkte Anton ebenfalls ungewohnt unsicher: Nach einem folgenlosen Fehlpass in der ersten Halbzeit unterlief ihm im zweiten Durchgang ein Eigentor zur Führung der Gastgeber.
Es bleibt abzuwarten, ob es dem ansonsten stabilen Innenverteidiger gelingt, diesmal die nötige Ruhe in die Dortmunder Defensive zu bringen – und ob der BVB die lange Serie gegen seinen ungeliebten Angstgegner endlich beendet.
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