Der 2:1-Sieg gegen den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende liest sich auf dem Papier zwar gut, war aber spielerisch ein Armutszeugnis für einen Tabellenzweiten in der Bundesliga. Der FC Augsburg ist genau der Gegner, den man in einer Phase der Umorientierung nicht haben will. Die Fuggerstädter haben nichts zu verlieren, stehen stabil im Mittelfeld (Platz 9) und würden nach einem sensationellen Auswärtssieg in München nur zu gerne das Spiel David gegen Goliath wiederholen.
Dass ein später Anschlusstreffer der Kölner die Nerven erneut derart blank liegen ließ, zeigt, wie fragil das schwatzgelbe Gebilde derzeit ist und, wenn man ehrlich ist, die ganze Saison über war. Vielleicht auch ein Grund, weshalb trotz Tabellenplatz zwei in Dortmund keine Euphorie herrscht. Der Rückstand auf die Spitze ist schmerzhaft. Das Champions-League-Aus gegen Bergamo wirkt noch präsenter, nachdem die Bayern aufgezeigt haben, wie schlecht Bergamo eigentlich ist. Der BVB wirkt wie eine Mannschaft, die zwar Punkte sammelt, aber ihre Identität, Souveränität und Leidenschaft vermissen lässt.
Beim BVB scheint vieles in der Schwebe und als Fan kommt man sich bei den vielen Spekulationen bezüglich Spielerabgängen und Neuverpflichtungen bereits vor wie in der Sommerpause. Die Saison ist gefühlt gelaufen, die Realität ist aber eine andere. Es sind immer noch 27 Punkte zu verteilen.
Inwiefern die Warnungen des Trainers bei den Spielern und im Umfeld fruchten, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Gegen Augsburg geht es für den BVB zum einen um drei wichtige Punkte. Zum anderen aber auch darum, die „Nüchternheit“ unter Kovac endlich mal mit Leben zu füllen. Ein weiterer Zittersieg würde die kritischen Stimmen um die spielerische Armut kaum verstummen lassen und die Kritik am Gesamtkonstrukt BVB unter Einbeziehung der Verantwortlichen würde erneut Fahrt aufnehmen.
Der FC Augsburg reist ohne Druck, aber mit einer Menge Selbstbewusstsein an. Kovac erinnerte auf der PK explizit an die Heimniederlage gegen den FCA im letzten Jahr. Wenn der BVB erneut so ideenlos agiert wie in weiten Teilen des Köln-Spiels, dürfte das Westfalenstadion schnell ungeduldig werden. Da zählt es auch nicht, dass die Augsburger auch gegen andere Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel gute Leistungen erbracht haben. Dementsprechend reisen die knapp 2000 Augsburger optimistisch nach Dortmund.
Ein besonderes Highlight ist das Aufeinandertreffen der Schlotterbeck-Brüder. Während Nico nach Adduktorenproblemen rechtzeitig fit wird, gab es am Donnerstag auch grünes Licht für Kevin Schlotterbeck. Auch für den Ex-Borussen Marius Wolf ist die Reise in das Westfalenstadion eine emotionale Rückkehr. Der ehemalige BVB-Spieler, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass er BVB-Fan ist, wechselte 2024 ablösefrei zum FCA und zählt dort zu den Leistungsträgern.
Ich möchte darauf hinweisen, dass wir einen sehr ernst zu nehmenden Gegner haben
Egal, wie die Saison bislang verlaufen ist: Lasst uns den Augsburgern zeigen, dass es in Dortmund nichts geschenkt gibt und der BVB mit den Rückschlägen der letzten Wochen umgehen kann und daran wächst. Vergesst das Zittern von Köln, vergesst den Frust über Bergamo – am Samstag zählt nur der volle Fokus auf den Heimsieg, auf drei wichtige Punkte, denn: Es ist noch nicht vorbei!