Unsa Senf

Fragwürdige Preispolitik bei den BVB-Handballdamen Verdoppelung der Kartenpreise für Mitglieder

17.07.2026, 17:00 Uhr von:  TK  
Verdoppelung der Kartenpreise für Mitglieder

In den letzten Tagen wurden die neuen Tages- und Dauerkartenpreise für Dortmunds Handballerinnen veröffentlicht. Was man hier lesen durfte, hatte es in sich. Wir geben euch einen Überblick.

Die Dauerkartenpreise lagen in der letzten Saison für Kinder (7 bis 13 Jahre) bei 50 Euro, ermäßigt (für Jugendliche, Studierende, Schwerbehinderte und BVB-Mitglieder) bei 100 Euro und für Vollzahler bei 150 Euro. Nun wurden allerdings einige Anpassungen durchgeführt. So kostet zukünftig eine Kinderdauerkarte (7 bis 12 Jahre) 50 Euro, die ermäßigte Variante (Jugendliche, Studierende und Schwerbehinderte) 150 Euro und eine Vollzahlerdauerkarte 200 Euro.

Ein kleines Detail, was man auf den ersten Blick übersehen könnte, ist: die Ermäßigung für BVB-Mitglieder wurde gestrichen. So darf ein Mitglied statt wie in der Vorsaison 100 Euro nun gleich 200 Euro auf den Tisch legen.

Nachdem in den sozialen Medien durchaus kritische Kommentare zu lesen waren, wurde schnell ein Statement von Rupert Thiele (Abteilungsleitung) als „Update“ an die Ursprungsmeldung angehängt, in dem Gründe aufgeführt wurden, weswegen eine Preisanpassung von Nöten sei. Im Statement wird darauf eingegangen, dass höhere organisatorische, infrastrukturelle und sicherheitsrelevante Vorgaben den Verein vor neue Herausforderungen stellen würden. Dies ist vollkommen nachvollziehbar. Es ist unstrittig, dass die Halle Wellinghofen für den Handballsport auf Spitzenniveau nicht ausgelegt ist. Auch dass man Vorgaben erfüllen muss, um den Spielbetrieb (noch übergangsweise) am Lieberfeld aufrecht zu erhalten, liegt auf der Hand. In der Meldung wird jedoch auch kurz darauf hingewiesen, dass die neu gekaufte Tribüne nun doch nicht aufgebaut werden würde. Weswegen bestellt man erst eine zweite Tribüne und nutzt diese dann nicht?

Nach der Veröffentlichung der Dauerkartenpreise ist die Anpassung der Tageskartenpreise keine wirkliche Überraschung mehr gewesen. Auch hier entfällt die Ermäßigung für Mitglieder, sodass nun statt 10 Euro 20 Euro für einen Tagessitzer fällig sind. Machen wir uns nichts vor. Eine Welt ohne Preisanpassungen ist unrealistisch. Jedoch ist eine Verdoppelung der Preise für Mitglieder mehr als fragwürdig.

Zudem wird davon gesprochen, dass man trotz der notwendigen Anpassung weiterhin zu den Vereinen mit den günstigsten Ticketpreisen in der Liga gehöre. Schauen wir uns die Preise der anderen Vereine einmal an. Recherchiert man die Dauerkartenpreise für die günstigste Sitzplatzkategorie in der Vollzahlervariante der anderen Vereine für die kommende Saison, dann erhält man die folgende Aufstellung:

  • HSG Blomberg-Lippe: 175 Euro (exklusive möglicher Playoff-Heimspiele, aber inklusive eines zusätzlichen Freikartengutscheins für ein Bundesligaspiel in der Hauptrunde)
  • HSG Bensheim/Auerbach: 250 Euro (inklusive möglicher Playoff-Heimspiele sowie 30 Euro auf der Guthabenkarte zum Bezahlen in der Halle)
  • Thüringer HC: keine Angaben zum Dauerkartenpreis
  • VfL Oldenburg: 220 Euro (inklusive möglicher Playoff-Heimspiele und Heimspiele im DHB-Pokal)
  • Sport-Union Neckarsulm: 200 Euro
  • Metzingen: 252 Euro (inklusive möglicher Playoff-Heimspiele sowie eines Trikot-Gutscheins (im Rahmen einer Sonderaktion))
  • BSV Sachsen Zwickau: 180 Euro
  • FRISCH AUF!: keine Angaben zum Dauerkartenpreis
  • Buxtehuder SV: 204 Euro (exklusive möglicher Playoff-Heimspiele)
  • SV Union Halle-Neustadt: 180 Euro (exklusive möglicher Playoff-Heimspiele)
  • HC Leipzig: 180 Euro (exklusive möglicher Playoff-Heimspiele)

Zur persönlichen Einordnung der Preise sei noch der Hinweis vom BVB ergänzt: „Die Dauerkarte ist ausschließlich für die Gruppenphase der Alsco Handball Bundesliga Frauen gültig. Spiele der Play-offs, des DHB-Pokals sowie der EHF Champions League sind nicht enthalten.“ Die Dauerkarte gilt also nur für die 11 Liga-Heimspiele in der Gruppenphase. Allerdings besteht nun die Möglichkeit, mit dem ÖPNV im VRR-Gebiet kostenlos an- bzw. abzureisen.

Ein genaues Ranking der Preise ist aufgrund der verschiedenen Bestandteile nur bedingt möglich. Mal sind mögliche Playoff-Heimspiele inkludiert, mal gibt es einen Gutschein für den Verzehr in der Halle oder ein Trikot dazu. Zudem wird bei dem Überblick vernachlässigt, dass es stellenweise andere Ermäßigungskategorien gibt, auch entfällt der Blick auf angebotene Stehplatzdauerkarten.

Sicherlich kann man argumentieren, dass man sich durch die Preisanpassung nun auf einem ligaweit vergleichbaren Niveau bewegt, was man auch mit den eigenen sportlichen Ambitionen begründen kann. Da man aber gleichzeitig sowohl die Preisanpassung für die Vollzahlerdauerkarte vollzogen als auch die Ermäßigung für Mitglieder gestrichen hat, resultiert für Mitglieder hieraus eine Verdoppelung des Preises. An dieser Stelle wäre mehr Fingerspitzengefühl in der Preisgestaltung und Kommunikation wünschenswert gewesen.

Ich gehe davon aus, dass man die neuen Preise mit der Annahme einer gewissen Hallenauslastung kalkuliert hat. Ob die Auslastung über die gesamte Saison erreicht wird, bleibt abzuwarten.

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