Vor ein paar Monaten wäre für mich persönlich die mögliche Vertragsverlängerung von meinem Namensvetter die wohl wichtigste Personalentscheidung in der jüngsten Vergangenheit für unseren Ballspielverein gewesen. Schlotterbeck gab einem als nahezu einziger Spieler das Gefühl, dass er sich 100 % mit dem Verein identifiziert. Seine Leistungen waren herausragend. Es hat richtig Bock gemacht, ihn bei jeder gelungenen Grätsche abzufeiern. Dann kam seine schwere Verletzung. Für einen Fußballer im besten Alter ein herber Rückschlag. Unser Verein lässt einen Spieler in solch einer Situation nicht fallen. Das sieht man jetzt bei Emre Can, das sah man bei Sebastien Haller und Marco Reus. Und auch bei Schlotterbeck sah man dies. Man gab ihm alle Zeit der Welt. Wie geil war es denn bitte, als er Ende September wieder das Westfalenstadion betrat?!
Die ganzen Medienberichte bezüglich einer Verlängerung seines Vertrages waren auch positiv. Ich hatte wirklich das Gefühl: Schlotti kann echt zu einem Spieler werden, mit dem man sich auch als Fan wieder voll und ganz identifizieren kann.
Doch dann kamen immer mehr Berichte auf, die eine Verlängerung auf einmal nicht mehr ganz so sicher sahen. “Schlotterbeck wolle sich Zeit lassen für solch eine wichtige Entscheidung.” Ich konnte das sogar verstehen. Er ist 26 Jahre alt. Steht vor einer sehr wichtigen Karriereentscheidung. Ist doch klar, dass man sich dann Zeit lässt.
Aber mit der Zeit wurden seine Leistungen immer schwächer und schwächer. Na gut, es mag auch mit seiner langwierigen Verletzung zusammenhängen. Aber sicherlich auch mit seinen Gedanken im Kopf.
Vom Warten auf die “großen Angebote” vom FC Liverpool, Real Madrid oder auch dem FC Bayern war die Rede. Dass man als Spieler den Traum hat, bei Vereinen wie Real Madird oder dem FC Liverpool zu spielen, kann ich nachvollziehen. Und ja, auch wenn ich es in meinem Leben nicht mehr verstehen kann oder besser gesagt will, soll es auch Spieler geben, die im Süden des Landes gerne Jahr für Jahr mit gefühlten 50 Fans eine emotionslose Meisterschaft feiern wollen.
Zuletzt konnte man dann von der Vertragsverlängerung von Upamecano bei den Bayern und vom abgeflachten Interesse der beiden anderen Vereine lesen. (Ob das nun der absoluten Wahrheit entspricht, sei mal dahingestellt. Man kennt sie ja, die Fabrizio Romanos dieser Welt..). Und siehe da: Plötzlich wurde dann wieder von einer möglichen Vertragsverlängerung (mit Ausstiegsklausel für 2027) gesprochen. Wohlmöglich aus Mangel an Alternativen. Aber vielleicht auch, weil die anderen Vereine vernommen haben, dass Schlotterbeck seit einiger Zeit seiner Form hinterherläuft. Es zeigt auch, dass sich unsere Nummer 4 nicht mehr voll und ganz mit unserem Ballspielverein identifiziert. Es mag verträumt klingen, aber solche Spieler brauche ich in unserem Verein nicht. Ich brauche Spieler, die Bock auf unsere Verein haben. Schlotterbeck hat klar gemacht, dass das bei ihm nicht mehr der Fall ist. Sonst hätte er schon längst seine Unterschrift unter dem neuen Vertrag gesetzt.
Vor allem brauche ich keinen Spieler, der gefühlt ein halbes Jahr herumeiert, ohne einmal klar zu sagen, ob er gehen oder bleiben will. Besonders unsere Vereinsführung sollte nun ein deutliches Wort sprechen und sich nicht mehr an der Nase herumführen lassen. Das darf kein einziger Spieler, egal wie wichtig er für unser Spiel ist.
Das anfängliche Verständnis ist verfolgen und nun bin ich einfach nur noch genervt. Es ist mir sogar fast schon gleichgültig geworden, ob er verlängert oder nicht. Das jüngste Interview nach dem Länderspiel zeigt mir, dass sich da jemand anscheinend zu wichtig nimmt.
Eines möchte ich noch anfügen: Dass ihm die BVB-Fans leid tun („Das ist jetzt blöd für die BVB-Fans“), kann ich ihm nach dieser Hängepartie nicht vollends abkaufen. In meinem Fall brauch er sich jedenfalls keine Gedanken machen.
Ob mit oder ohne ihn wird nächstes Jahr trotzdem wieder Fußball im Westfalenstadion gespielt. Vielleicht dann sogar mit Spielern, die sich echt mit dem Verein identifizieren.
Eines gilt nämlich immer: Niemand ist größer als der Verein. Auch kein Nico Schlotterbeck.