Die Angst des Torwarts beim Elfmeter Regel 14 – Strafstoß
Diese Regel gibt es seit 2019 und sie ist im International Football Association Board (IFAB) konkretisiert. Ein Blick auf andere Sportarten genügt, um zu erkennen, wie absurd diese Regel ist. Fluch oder Segen? Oder ist es Zeit für eine Veränderung?
In Zeiten des von uns so geliebten VAR sorgt diese Regel für permanente Überprüfungen und wird kontrovers diskutiert. Sie besagt, dass sich der Torhüter bei der Ausführung des Strafstoßes direkt auf oder vor der Torlinie befinden muss. Er darf den Torraum nicht vollständig verlassen und muss mit mindestens einem Fuß auf oder über der Linie stehen. Der Schütze muss klar erkennbar sein. Alle anderen Spieler müssen sich außerhalb des Strafraums befinden, hinter dem Ball stehen und einen Mindestabstand von 9,15 m einhalten.
Beim Heimspiel des FC Bayern München gegen Atalanta Bergamo wurde mir diese regelrecht absurde Regel noch einmal bewusst. Harry Kane lief in der 25. Minute zum Elfmeter an, schoss und Sportiello, der Torhüter von „La Dea“, parierte den Schuss. Es folgte der direkte Protest von Kane und die Wiederholung des Strafstoßes, denn wie die Wiederholung zeigte, stand der Torhüter bei der Ausführung auch mit dem zweiten Fuß kurz vor der Linie. Die Wiederholung führte dann zur 1:0-Führung der Münchener.
Was soll diese Regel? Es ist ohnehin ein ungleiches Duell zwischen Torhüter und Torschützen. Statistiken zeigen, dass die Elfmeter-Trefferquote der Mannschaften in allen internationalen Ligen und auch in der Bundesliga in der Regel bei 78–80 % liegt. Hat die jeweilige Mannschaft einen ausgewählten Stammtorschützen, beträgt die Trefferquote sogar teilweise über 90 %. Fehlschüsse gibt es nur selten, und wenn, dann werden sie meist vom Torhüter gehalten. Nur wenige Schüsse gehen daneben. Harry Kane hat von 95 Elfmetern 84 verwandelt und bewegt sich damit bei einer Trefferquote von 88 %. Da kann man bei einem Fehlschuss schnell mal reklamieren, vielleicht kann es ja der VAR richten. Beim Schuss ist der Torhüter im Wesentlichen mit der Linie beschäftigt und muss nach unten schauen, um sicherzugehen, dass ein Fuß die Linie berührt. Bei solch „tollen Aussichten” sinkt natürlich die Haltequote!
Ein Blick auf andere Sportarten, bei denen die Tore deutlich kleiner sind, sei erlaubt. Betrachten wir beispielsweise Handball, bei dem es andere Verhaltensmaßnahmen beim 7-Meter-Wurf gibt. Laut den Regeln der International Handball Federation (IHF) dürfen sich Torhüter:innen frei bewegen und die Torlinie nach vorne verlassen. Sie dürfen die 4-Meter-Linie allerdings nicht überschreiten, aber schon vor dem Wurf nach vorne treten. Noch kleiner ist das Tor beim Eishockey. Laut den Regeln der International Ice Hockey Federation (IIHF) muss sich der Torhüter beim Penalty auf oder direkt vor der Torlinie im Torraum befinden, wenn der Penalty beginnt. Er darf sich auch nach vorne bewegen, um den Winkel zu verkürzen. Der Torraum darf dabei allerdings nicht vollständig verlassen werden.
Fakt ist: Gerade diese Vergleiche zeigen, wie absurd das Regelwerk im Fußball ist. Hinzu kommt, dass der Schütze im Gegensatz dazu frei laufen und den Anlauf selbst gestalten kann: kurz, lang, diagonal oder gerade. Er darf auch Täuschungen einsetzen, beispielsweise einen Haken, eine Verzögerung oder ein kurzes Stoppen vor dem Schuss. Was sind das für ungleiche Voraussetzungen für Torschützen und Torhüter? Deshalb kann ich nur sagen: Eine Korrektur von Regel 14 ist mehr als überfällig. Es braucht mehr Chancengleichheit für den Torhüter, der sich beim Strafstoß frei im Fünf-Meter-Raum bewegen kann. Das würde den VAR entlasten und das gesamte Elfmeterspiel interessanter gestalten.
Die Formulierung von Regel 14 wurde im Jahr 2019 konkretisiert, da bis dahin viele Elfmeter aufgrund einer zu frühen Bewegung des Torhüters wiederholt werden mussten. Warum hat man diese Regel nicht einfach umgekehrt angepasst, indem man die frühe Bewegung des Torhüters zulässt? Im Eishockey und Handball ist dies regeltechnisch kein Problem, obwohl man bei den kleineren Toren eigentlich das Gegenteil erwarten sollte. Ein reguläres Fußballtor auf dem Großfeld ist laut FIFA- und DFB-Regeln 7,32 Meter breit und bietet einem Elfmeterschützen genügend Platz, um den Torhüter zu überwinden. Warum muss er dann wie die Maus vor der Schlange verharren und nahezu regungslos seinem Schicksal ins Auge schauen? Deswegen möchte ich hier für die Torhüter eine Lanze brechen und mich für mehr Chancengleichheit aussprechen. Dies wäre kein Verlust, sondern ein Gewinn für diesen Sport, der dann eine Reklamationsmöglichkeit weniger hätte.
Bei ihrer Generalversammlung im walisischen Hensol Castle beschlossen die Mitglieder des International Football Association Board (IFAB) neue Regeln, die bereits zur Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gelten sollen. So soll der Video-Schiedsrichter (VAR) bei falsch gegebenen Eckbällen zum Einsatz kommen. Er soll auch die zweite gelbe Karte überprüfen, die möglicherweise zu einer gelb-roten Karte führt. Anstelle der Acht-Sekunden-Regel für Torhüter soll die „Fünf-Sekunden-Regel“ gelten, die auch bei Abstößen und Einwürfen angewendet wird. Auswechslungen müssen innerhalb von zehn Sekunden vollzogen werden, beginnend mit dem Hochhalten der Tafel. Gemäß der 60-Sekunden-Regel müssen Spieler nach einer Behandlungspause für mindestens eine Minute das Spielfeld verlassen. Beim Handball muss man für mindestens drei Angriffe der eigenen Mannschaft aussetzen.
Geplant ist auch eine neue Abseitsregel. Demnach soll ein Spieler nur dann im Abseits stehen, wenn sich sein ganzer Körper vor dem vorletzten Verteidiger befindet. Das Ziel besteht darin, den Angreifern mehr Vorteile zu verschaffen und für ein offensiveres Spiel zu sorgen. Die neue Regel könnte ab der Saison 2026/2027 in Kraft treten. Warum also nicht gleich die umstrittene Regel 14 abschaffen und den Torhütern mehr Freiraum geben? Das würde dem Fußball ebenfalls mehr Attraktivität verleihen. Mein Vorschlag an die IFAB: Einfach einmal darüber nachdenken!