Unsa Senf

Der BVB und der SV Elversberg Als der BVB um die Ecke Book

30.03.2026, 14:09 Uhr von:  DocKay    
Niko Kovac bei der Pressekonferenz
Zwischen Niko Kovac und Ole Book gibt es durchaus Unterschiede in ihrer Ansicht von erfolgreichem Fußball.

Nach Horst Steffen verliert das Erfolgsmodell des SV 07 Elversberg mit Ole Book bereits seinen zweiten Protagonisten. In den nächsten Jahren wird er beim BVB im Mittelpunkt stehen und für frischen Wind im Stall sorgen.

Ole Book folgt auf Sebastian Kehl, der als Sportdirektor die Geschicke des BVB maßgeblich lenkte. Die Trennung des BVB von Kehl war absehbar, spätestens seit Lars Ricken im Mai 2024 zum Nachfolger von Hans-Joachim Watzke als Geschäftsführer Sport ernannt wurde. Ricken schien der „geschmeidigere” Typ zu sein, und bis heute dankt er seinem Vorgänger „Aki” mit Lobeshymnen.

Sebastian Kehl war gegen Ende seiner Karriere sicher nicht unumstritten, aber er war ein Spieler mit BVB-DNA. Mit den Borussen gewann er nach seiner Zeit in Freiburg in den Jahren 2002 bis 2015 drei deutsche Meisterschaften und am 12. Mai 2012 in Berlin durch den 5:2-Sieg gegen die Bayern das Double. Sechs Jahre lang war er Mannschaftskapitän, bevor er am 30. Mai im Alter von 35 Jahren seine Spielerkarriere beendete. Seine Spielerkarriere war auch von längeren Verletzungsphasen gekennzeichnet. Erinnert sei an das Foul von Sahin Salihamidzic, dessen Grätsche neben weiteren Verletzungen auch seine Nationalmannschaftskarriere beendete. Aktuell wissen wir noch nicht, wohin sein Weg ihn führen wird. Seit einiger Zeit ist der HSV im Gespräch, aber auch die „grüne Insel” könnte winken. Wir bedanken uns auf jeden Fall bei Sebastian für 24 Jahre, in denen er ein „echter Borusse“ war.

Der BVB möchte von nun an ebenfalls vom Erfolgsmodell Elversberg profitieren. Das wollte auch der SV Werder Bremen, als er am 1. Juli 2025 Horst Steffen als neuen Trainer präsentierte. Nach sieben Jahren im Saarland, wo er als Aufstiegstrainer verehrt wurde, heuerte er an der Weser an. Seine Erfolge waren jedoch bescheiden, sodass er bereits nach dem 20. Spieltag Ende Januar 2026 wieder gehen musste und Daniel Thioune den Cheftrainer-Sessel räumen musste.

Jetzt treibt es Ole Book in die weite Fußballwelt hinaus. Ob die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag bei der SV Elversberg für den BVB ein realistisches Szenario ist oder eher in die Welt der Märchen gehört, werden wir vielleicht nie erfahren. Auf jeden Fall dominierten bei der ersten Pressekonferenz nach seiner Verpflichtung die Lobeshymnen der BVB-Verantwortlichen – das kennt man ja aus der Vergangenheit. Die vielen Schnittmengen am Anfang führen dann schnell auch zu einvernehmlichen Trennungen. Trotzdem muss ich sagen, dass Ole Book auf mich sympathisch und durchaus bescheiden wirkte. Man hat das Gefühl, dass das Konzept mit Thomas Broich als sportlichem Leiter des Nachwuchsleistungszentrums und Ole Book als Sportdirektor bei Borussia Dortmund aufgehen könnte. Aber Borussia Dortmund ist nicht Elversberg. Die saarländische Gemeinde Spiesen-Elversberg hat 13.000 Einwohner. Aktuell hat die Ursapharm-Arena fast so viel Kapazität an Zuschauern wie der Ortsteil Einwohner hat. Als ich im Saarland studierte, spielte der Club noch in der Oberliga Südwest, und ihr Spielertrainer spielte mit mir bei den Hochschulmeisterschaften.

Auch wenn sich seit dieser Zeit viel verändert hat und der Verein aktuell in der zweiten Bundesliga auf Platz zwei hinter den Blauen steht: Elversberg ist nicht Dortmund. Nach einer gewissen Zeit gilt es, sich in die Alphatiere dieses Vereins einzuordnen. Ole Book steht für offensiven Fußball, ja, für „Power-Fußball“. Dies ist jedoch nicht unbedingt die Strategie unseres aktuellen Trainers Niko Kovac. Man muss also abwarten, welche gemeinsame Strategie die beiden finden werden. Optimistisch stimmt die Tatsache, dass Ole Book anscheinend ein Gespür für Talente und ihre Entwicklung hat. Zu nennen sind Nick Woltemade, Fisnik Asllani, Paul Wanner und Younes Ebnoutalib, die alle Teil seines Konzepts waren. Vielleicht fasziniert dies unsere Verantwortlichen. Manchmal habe ich auch das Gefühl, dass hier eine gewisse „Klopp-Nostalgie“ mitschwingt.

Nach dem Abgang von Ole Book in Elversberg hat David Blacha die Aufgaben in der sportlichen Leitung interimsmäßig übernommen. Nach seiner Zeit beim FC 09 Fröndenberg wechselte er in die Jugend von Borussia Dortmund und wurde 2007 mit den B-Junioren sowie 2009 mit den A-Junioren Deutscher Vizemeister. Bei der SV Elversberg war er bisher als Scout tätig. Wir wünschen Ole Book bei seinem Herzensverein alles Gute und eine längere Halbwertszeit als Horst Steffen bei den Grün-Weißen. 

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