Der BVB gewinnt auswärts beim VfB Stuttgart Eine Zugfahrt, die ist lustig und ein Klappstuhl, der kann fliegen
Unser Autor erlebte mit seiner ersten Sonderzugfahrt einen unvergesslichen Tag auf den Schienen. Fußball wurde in der Destination Stuttgart auch noch gespielt und sorgte tatsächlich für ein weiteres, am Ende unerwartetes, Highlight. Unser Spielbericht.
Ein grauer Karsamstag 8:30 Uhr am Dortmunder Hauptbahnhof: Gleis 18 füllt sich stetig mit Menschen in schwarz-gelber Kleidung. Die einen trinken Kaffee, die anderen bereits Bier. Vorfreude haben aber alle: Es steht eine von der Fanabteilung organisierte Sonderzugfahrt nach Stuttgart an.
Sportlich ist die Saison irgendwo gelaufen, aber trotzdem fanden sich die rund 800 Fahrgäste pünktlich ein. Was noch fehlte ist der Zug. "9:11 Uhr Abfahrt" war der Plan, aber ca. 10:11 Uhr wurde es am Ende. Also mit üblicher Bahnverspätung ging es volle Pulle Richtung Süden. Naja, bis nach 10 Minuten die ersten Züge vorgelassen werden mussten. Und wir eine der vielen Wartepausen hinnehmen mussten. Bis zur NRW-Grenze gab es immer wieder Phasen des Wartens oder langsamen Kriechens, aber danach ging es deutlich flotter voran. Im Zug ging die Party von Anfang an hoch her. Niemand ließ sich von dem sportlich fehlenden Reiz (BVB nach oben und unten ziehmlich abgesichert) stören. Alle machten sich eine gute Zeit bei mal mehr, mal weniger guter Musik. Man saß entweder im Abteil und verbrachte dort eine gute Zeit mit Gesprächen bei einem Getränk oder zog in den berühmten "Sambawagen" Nr. 7, um dort richtig zu feiern. Die 6 Stunden Fahrt vergingen wie nix.
Ankunft in Stuttgart
Mit ein wenig Polizeibegleitung ging es dann zu Fuß von der Station Stuttgart-Untertürkheim zum Stadion. Erste "Schwabenschweine"-Gesänge hallten durch die Straßen, aber da die Ultras eigenständig angereist waren, handelte es sich nicht um einen organisierter Fanmarsch, sondern die Gesänge kamen mal hier, mal dort auf.
Blick auf die Fußballapp des Vertrauens: Bayern liegt in Freiburg 2:0 zurück. Bei einem Sieg wäre man so auf sechs Punkte ran! Unnütz waren die Rechenspiele am Ende: Bayern drehte das Spiel tatsächlich noch. Egal, ab in den Block!
Das Spiel
Die Beschreibung des Spielgeschehens bleibt oberflächlich, da der Autor vom geschehen auf dem Platz, den Fahnen sei Dank, wenig mitbekam. Ein Umstand, der seine sowieso vorhandene Grundnervösitat bei BVB-Spielen nicht unbedingt verbesserte. Man sah aus BVB-Perspekivte wohl sowieso nichts Berauschendes.
Kovac setzte wieder auf Guirassy im Sturm, der sich wohl gegen die starke Stuttgart Defensive durchtanken sollte. Ein Plan, der überhaupt nicht aufging. Stuttgart nahm das Spiel direkt in die Hand und gab dem BVB kaum Luft zum Atmen. Mit starkem Pressing und enger Zweikampfführung wurde Dortmund fest in der eigenen Hälfte gehalten. Jegliche Offensivbemühungen der Borussia verpuffen wirkungslos. Aber auch Stuttgart konnte aus der optischen Überlegenheit wenig machen. Hier und da flog ein Ball in den Strafraum, aber fand in der Regel keinen Abnehmer, sodass es mir Unentschieden in die Pause ging.
Die zweite Halbzeit folgt im Grunde dem Muster der ersten Halbzeit: Stuttgart machte das Spiel und der BVB bekam wenig Entlastung, auch wenn sich die Verhältnisse Mitte der zweiten Halbzeit etwas ausglichen und der BVB auch hier und da vor das Stuttgarter Tor kam.
Im Block war die Stimmung dagegen gut bis sehr gut, was sich an der auswärts gewohnt hohen Mitmachquote zeigte. Die Gästekurve schmetterte Mitte der zweiten Hälfte noch einen heftigen "BVB!"-Wechselgesang zwischen Ober- und Unterrang, was wie immer mein absolutes Stimmungshighlight war. Von Stuttgart hörte ich übrigens wenig, bis auf die immer noch unverhältnismäßig lauten Pfiffe gegen Waldemar Anton.
Die 90. Minute brach an und die Fans beider Lager schienen sich mit dem 0:0 abgefunden zu haben.
Aber dann kam der BVB in der 4. Minute der Nachspielzeit mit Adeyemi nochmal vor das Stuttgarter Kasten. Adeyemi verzögert, schießt und: TOR! Ekstase im Gästeblock! Der BVB zieht hier tatsächlich spät und aus dem nix den Lucky-Punch!
Jetzt bitte die Führung über die letzten Minuten bringen.
Aber nein, die Borussia spielte weiter nach vorne und nach einer Flanke von Silva zog Julian Brandt aus spitzen Winkel technisch anspruchsvoll ab und hämmerte das Leder in den Kasten. 2:0! Erneut flippt der Gästeblock aus! Die Spieler feierten zum zweiten Mal ausgiebig vor der Cannstätter Kurve, was denen gar nicht gefiehl und und letztlich mit dem "Cannstätter Klappstuhl-Wurf" in die Geschichte einging. Abpfiff. Drei Punkte. Auswärtssieg!
Ein gelungener Zwischenabschluss für die Auwärtsreise.
Fazit
Diese Zeilen entstehen nun weit nach Mitternacht auf der Rückfahrt im Sonderzug, die wieder von allen Fahrgästen unterschiedlich genutzt wird: die einen feiern den Auswärtssieg, die anderen holen sich ein bisschen Schlaf und ich schreibe hier diesen Spielbericht.
Danke an die Fanabteilung für die Organisation dieser Fahrt. Ein gelungener Tag mit Wiederholungsbedarf!