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Auf in die Krisenstadt
Nach 15 Spielen ohne Niederlage reist
die Borussia aus Dortmund in die Hauptstadt. Sie will die Serie
ausbauen, keine Frage. Doch der Tabellenführer steht vor einer
großen Aufgabe. Die Borussia reist in eine von Krisen und Streiks
zerrissene Kapitale. Bundespräsident weg, Babbel & Skibbe weg,
BVG streikt, die S-Bahn krankt, die Hertha kurz vorm erneuten
Abstieg. Wir haben uns im Vorfeld bereits in die Krisenkapitale
aufgemacht, um nach möglichen Lösungen zu suchen. In der Folge gibt
es die wichtigsten Fragen und die wichtigsten Antworten. Doch erst
einmal gönenn wir uns einen Blick auf die Fußballkapitale.
Dortmund, Februar 2012. Das hatte wirklich nur der größte Optimist erwartet. Nach jetzt 21 Spieltagen hat der Ballspielverein die Tabellenführung inne und wird einen Teufel tun, diese kampflos wieder herzugeben. Doch manchmal reicht nicht nur Kampf, manchmal braucht man auch das Glück der richtigen Schiedsrichterentscheidung. Natürlich, das muss man auch mit schwatzgelber Brille eingestehen, war die Eroberung der Tabellenspitze nur durch gezielte Spielmanipulationen zu erreichen. Doch nicht der Ballspielverein zeichnet für diese verantwortlich, sondern eine neue DFB-Richtlinie. Diese besagt seit einigen Wochen „im Zweifel immer gegen die Bayern“. Nicht nur Schiedsrichter halten sich daran, sondern auch Spieler.
Jetzt ist es aber so gekommen, und wir
wollen nicht klagen, durch diese unstreitig skandalösen Richtlinien
sieht der Meister von Bayerns Gnade einer großen Zukunft entgegen.
In den letzten Wochen wurden nicht nur mit dem Reus-Transfer,
sondern auch mit dem Halten von Barrios und der 2016er-Verlängerung
des Führungstrios entscheidende Weichen für die kommenden Jahre
gestellt. Diese kommenden Jahre sollen ab dem Sommer idealerweise als
Titelverteidiger, in jedem Fall aber als Champions-League-Teilnehmer
angegangen werden. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass
es schlecht für diese Vorhaben aussieht.
Entscheidend an dem Vorhaben beteiligt war in den vergangenen Wochen Kagawa. Doch die Sprunggelenkverletzung war ein Rückschlag. Nach Mario Götze muss die Borussia in den nächsten Spielen auf einen weiteren Kreativspieler verzichten. Bislang aber konnten diese Lücken stets gekonnt geschlossen werden.
Fiel Götze aus, zog sich Kuba aus einem saisonlangen Formtief. Fiel
Bender aus, sprangen Leitner und Kehl ein. Jetzt fällt Kagawa aus
und noch wird gerätselt, wer diesmal einspringen wird. Wird bereits
gegen Hertha die Beharrlichkeit belohnt und in der Spitze ein Wechsel
zurück auf die Meistersaison vollzogen. Barrios im Sturm und die
Maschine Lewandowski dahinter? Oder bekommt Ilkay Gündogan eine für
außenstehende Personen überraschende Chance auf der wichtigen
10er-Position? Noch streiten sich die Gelehrten. Noch ist alles
offen.
Weniger offen ist hingegen die weitere Besetzung der Mannschaft. Die in der bisherigen Rückrunde auftrumpfende Defensive um Hummels wird sicher nicht gesprengt werden, mit Kehl und Bender wird es das liebgewonnene Pärchen auf der Doppelsechs geben, auf den Flügeln dürften wir Kuba und Kevin sehen. Wie immer wird die Borussia ihr Spiel spielen, sie wird sich nicht von der Hummels-Manndeckung aus dem Konzept bringen lassen und andere überragende Lösungen finden.
Selten, wahrscheinlich noch nie in
meiner Fankarriere, hatte ich ein so großes Vertrauen in die
Spieler auf dem Platz, in die Menschen neben dem Platz. Sie werden
die Berliner nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie werden von
der brutalen Qualität der Berliner wissen und sich auch an die
Hinspiel-Niederlage erinnern. Doch, das darf an dieser Stelle ruhig
gesagt werden, verloren wir zu einem Zeitpunkt, in dem auch auf dem
Platz noch ein gewisses Sättigungsgefühl auszumachen war. Der
Hunger jedoch ist längst zurück. Zumindest auf dem Platz. Warum
dies auf den Tribünen und da gerade daheim momentan nicht der Fall
ist, hat MalteS in dieser Woche an anderer Stelle treffend
analysiert.
Von Dortmunder Seite steht dem 16. niederlagenlosen Spiel in Folge sicher nichts entgegen. Doch die Unwägbarkeiten in der krisengeschüttelten Hauptstadt könnten durchaus fatale Folgen für dieses Vorhaben haben. Wir sprachen mit unserem mittlerweile nach Berlin vertriebenen Ermittler Dembowski über die alte Dame Hertha.
Steigt die alte Dame Hertha wieder ab?
Wenn sie so weiter macht, könnte der erneute Abstieg gelingen. Zu wünschen wäre es der alte Dame jedoch nicht. Günstiger komme ich nicht zu einem Heimspiel.
Ist Skibbe eigentlich noch zu retten?
Leider nein. Der sympathische Ex-Borusse wurde nach der unglücklichen 0-5 Niederlage in Stuttgart von seinem Amt entbunden. Gerade erst hatte er begonnen, seine Wohnung in Zehlendorf einzurichten, jetzt steht er vor dem Scherbenhaufen seiner Trainerkarriere. Fortan wird er in einem Atemzug mit Trainern wie Jürgen Röber und Bernd Krauss höchstens noch eine Anstellung in der Wüste finden.
Müssen wir jetzt auf „Skibbe raus!“-Rufe verzichten?
Ja! Darüber hinaus ist der Interimstrainer auch noch ein Dortmunder Champions-League-Held und grundsympathisch. Aber sollte es 4-0 für uns stehen, könnten wir uns trotzdem zu einem stellvertretenden „Preetz raus!“ hinreißen lassen.
Wie wirkt sich der BVG-Streik auf die Anreise aus?
Es wird komplizierter und höllisch voll. Die S-Bahnen zum Stadion fahren zwar, werden jedoch hoffnungslos überfüllt sein. Wer er schafft, sollte sich so früh wie möglich in Richtung Stadion begeben. Wer mit dem Zug aus Dortmund kommt, sollte bereits in Spandau aussteigen. Und von dort mit der S-Bahn zum Stadion fahren. Nach dem Spiel sollte man einfach noch eine Stunde im Block bleiben und den Sieg der Borussia feiern. Im Falle einer Niederlage habe ich jedoch auch keine Idee, sorry!
Was macht die Hertha gegen den BVG-Streik?
Haben schnell reagiert, keine Frage. Setzen Ersatzbusse ein. Diese pendeln ab 13.30 Uhr zwischen der Messe und dem Stadion. Fragwürdig natürlich, dass sie im gleichen Atemzug empfehlen rechtzeitig bei Stadionöffnung ins Stadion zu gehen.
Wer sind die Schlüsselspieler bei
Hertha?
Kann ich nichts zu sagen. Beim letzten Mal war es definitiv nicht die Innenverteidigung, die mit flachen Bällen von den Außen so richtig Schwierigkeiten hatte. Diese Bälle haben wir in den letzten Wochen häufig gespielt. Könnte klappen.
Ist das nicht ein wenig arrogant?
Ich bin immer noch Fan und kein Scout und auch kein Trainer. Die machen das schon. Ich würde mich über einen Sieg freuen. Alleine schon für die nächste Folge „Neues von der Säbener“
Und was hat das jetzt mit dem Hertha-Spiel zu tun?
Überhaupt nichts. Alle Konzentration muss auf das Spiel in Berlin gerichtet sein. Am Ende schauen wir dann, was dabei rauskommt.
Wir danken für das Gespräch
Dafür nicht. Bis zum Mai dann.
Das Spiel wird am 18.02.2012 um 15.30 Uhr im Berliner Olympiastadion ausgetragen. Das 1.000 Bundesligaspiel der Hertha ist ausverkauft. Bei 6 Grad kann man fast die Frühlingsjacke anziehen. Frühzeitige Anreise ist aufgrund des BVG-Streiks zu empfehlen.
Die Mannschaften könnten wie folgt auflaufen:
Hertha: Kraft - Morales, Hubnik, Mijatovic, Kobiashvili - Ebert, Niemeyer, Raffael, Bastians - Ramos, Lasogga
BVB: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Kuba, Leitner, Großkreutz - Lewandowski
Die DFB-Richtlinien werden von Marco Fritz aus Korb durchgesetzt. Ihm assistieren dabei Volker Wezel und Wolfgang Walz.
steph, 17.02.2012
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