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Don't panic!
Als Hannover im vergangenen September für die große Ernüchterung sorgte, stand die große Krise ins Haus. Der schlechteste Meister aller Zeiten stand bereits nach wenigen Spieltagen vor dem Scherbenhaufen der Meisterschaft. „Was habt ihr nur angerichtet? Nicht besser als Stuttgart, nicht einmal besser als Wolfsburg", hieß es da nicht nur zwischen den Zeilen. Aus sechs Spielen hatte man da sieben Punkte geholt, war nicht nur auf Platz 11 der Tabelle abgestürzt, sondern wies bereits acht Punkte Rückstand auf den enteilten Titelfavoriten aus München auf.
„Don't panic!" steht in großen Lettern auf dem Reiseführer „Per Anhalter Durch Die Galaxie". Das Vermächtnis von Douglas Adams fand in etwa zu dieser Zeit den Weg in den Sprachgebrauch der Dortmunder. All die Krisenszenarien, die Untergangsvisionen der schreibenden und sendenden Zunft bewirkten das Gegenteil. Zwar bedurfte es in Mainz eines Dosenöffners in Form eines holprigen 25 Meter Kullerballs des auch in dieser Saison überragenden Rechtsverteidigers Lukas Piszczek, doch von da war es der Mannschaft ein Fest.
Von Spiel zu Spiel cruisten die Schwatzgelben nun in Richtung Tabellenführung. Erstmals waren sie bereits Ende November an der Spitze, doch zwei Unentschieden gegen Gladbach und Kaiserlautern warfen Borussia wieder zurück in die Verfolgerposition. Es folgten Verletzungen, Siege und Sensationen. Erst ging es auf der letzten Felge in die Winterpause, dann kam der BVB mit Vollgas und ohne Götze zurück, doch bereits jetzt wieder ist die Mannschaft eine Baustelle.
Doch anders als auf anderen Baustellen in dieser Liga findet der BVB immer wieder eine überragende Lösung. Manchmal ist das eine spielerisch überragende Lösung, manchmal aber auch nur die Besinnung auf den brutalen Kampf, der angenommen werden muss. 16 Spiele in Folge nun schon. Doch nicht nur im Verein, sondern auch im Umfeld hatte man im September den Reiseführer gelesen. „Don't panic" - Eine Rückschau in 16 Vorberichten:
FSV Mainz – BVB 1:2 „Bericht aus Mainz – Mittwoch, der Matchplanverlust": In Mainz starten wir noch einmal. Und zwar durch!
BVB – Augsburg 4:0 „09 noch skurillere Arten, Gegentore zu kriegen": Am Ende wird Borussia Dortmund erneut Meister, weil es ein um fünf Tore besseres Torverhältnis als der Vizemeister hat.
Werder – BVB 0:2 „Zurück zum Fußball – Flutlichtspiel an der Weser": Das Piszczek-Tor gegen Mainz wird die Liga noch verzweifeln lassen.
BVB – Köln 5:0 „Mund abputzen, Köln schlagen": Um sich in der Spitzengruppe der Liga zu etablieren, hilft nur ein Dreier.
Stuttgart – BVB 1:1 „Stuttgart 22 – 1 besser": Langsam haben sich die Young Guns eingespielt und genau diese Phase der Saison entschied in der letzten Saison (ohne große Rotation) über unseren Erfolg.
BVB – Wolfsburg 5:1 „Aufstieg und Fall des Felix M": „Der Aufstieg und Fall des Felix M." gastiert an diesem Samstag im Dortmunder Westfalenstadion. Seien Sie dabei bei „Spieler, Ausreden, Sensationen!"
Bayern – BVB 0:1 „Der Deutsche Meister spielt in München": Mit der breiten Brust des Deutschen Meisters nach München, nach London und ins Derby gehen -- und mit neun Punkten für die Bierhauptstadt wieder raus.
Derby 2:0 „Besinnliches zur Derbyzeit": Und während ich gemütlich über die A40 ins heimische, wunderschöne Dortmund fahre, denke ich mir: „Son Derby, das hat echt was."
Ponys – BVB 1:1 „Aus dem Schatten der Bajuwaren": „Ausgerechnet Gladbach. Außer Wiesen und Wellblech is in diesem blöden Kaff doch nix!"
BVB – Kaiserslautern 1:1 „Die Teufel kommen": Dennoch sollte man in Dortmund gewarnt sein. Beim Heimspiel gegen die Hertha aus Berlin gab es eine ähnliche Konstellation bezüglich der Favoritenrolle...
Freiburg – BVB 1:4 „Freiburg nervt – immer wieder": Der Auswärtssieg muss her, wir brauchen die drei Punkte. Und dann ist es auch völlig egal, ob dreckig mit vollgesauten Hosen oder offensiv anspruchsvoll wie das schwarzgelbe Ballett.
HSV – BVB 1:5 „Endlich wieder Borussia!": 1956, 1957, 1963, 1995, 1996, 2002, 2011 – Zeit für eine neue Jahreszahl. Das Gesetz der Dortmunder Doppelmeisterschaft kennt keine Ausnahme!
BVB – Hopp 3:1 „Geliebter Dietmar": Da aber, bis auf die Mannschaft mit dem qualitativ besten Kader wo gibt, auch die Konkurrenz fleißig dreifach gepunktet hat, muss weiter nachgelegt werden.
Nürnberg – BVB 0:2 „Kühlschrank Frankenland": Aufgrund des knappen Vierkampfes an der Tabellenspitze kann jeder Ausrutscher fast schon verheerende Folgen haben. So kann der Blick auch erst einmal nur auf die Verteidigung von Platz 2 gerichtet sein und nicht auf die Bayernjagd.
BVB – Leverkusen 1:0 „Das Spiel, das niemals stattfand": Dessen ungeachtet stellt Bayer 04 natürlich den stärksten Gegner dar, der dem BVB im neuen Jahr über den Weg gelaufen ist.
Hertha – BVB 0:1 „Auf in die Krisenstadt": Sie werden die Berliner nicht auf die leichte Schulter nehmen. Sie werden von der brutalen Qualität der Berliner wissen und sich auch an die Hinspiel-Niederlage erinnern.
Eine Auflistung voller Demut, voller Wahrheiten, voller Mahnungen und immer auch voller Überzeugung. Nehmen wir zum Beispiel den Kernsatz des Bremen-Vorberichts: „Das Piszczek-Tor gegen Mainz wird die Liga noch verzweifeln lassen.". Das mag rückblickend und nach gerade mal zwei Siegen in Folge und inmitten der tiefen Champions-League-Depression vollmundig, überheblich und abgehoben geklungen haben, doch schon dort konnte man den unbedingten Willen der Mannschaft sehen.
Dieser unbedingte Wille war in den ersten Ligaspielen ein wenig abhanden gekommen. Im Saisoneröffnungsspiel gegen Hamburg spiegelte die Saison 2010/2011 nach, in den folgenden Spielen hatten sie den Touch verloren. Verständlich. All die Jubeltexte, all die Jubelfeiern, irgendwann sind es dann nur noch 90%, doch die reichen nie. Da kann man die beste Mannschaft aller Zeiten haben. Denn die ersten 10% bedeuten immer Respektverlust. Respektiert man seinen Gegner nicht, macht er einen ein. Egal, wie stark er in Wirklichkeit ist. Die 10% waren wieder da, der Glaube an die eigene Stärke auch. Von Spiel zu Spiel schauen, und sehen, was am Ende dabei rauskommt.
So wird es dann auch am Sonntag sein. Nach langer Zeit müssen wir da mal wieder nachlegen. Im Verfolgerduell treffen vorher die Blauen auswärts auf die FDP der Liga, Gladbach tritt schon heute gegen die Definition von Mittelmaß an. Ganz am Ende sehen wir dann Borussia gegen Hannover. Die Leinestädter knüpfen in dieser Saison ähnlich der Borussia an ihre überragende Saison 2010/2011. Unter Mirko Slomka, dem Meistertrainer der Herzen, hat sich der Verein trotz Kind zahlreiche Sympathien zurück geholt und sorgt im Ländervergleich mit Belgien momentan sogar für ein paar Punkte in der legendären Fünfjahreswertung.
Ein Spiel auf Augenhöhe. Ein Spiel, das immer auch in die Hose gehen kann. Aber auch wenn wir in der 59.Minute das 0-1 kassieren, können wir immer noch 4-1 gewinnen. Das haben wir in der letzten Saison gesehen. Und auch wenn wir in der 85. Minute 0-1 zurück liegen, können wir das Spiel noch drehen. Das haben wir in der Hinrunde erfahren müssen. Die Ausgangslage aber ist gut, wir haben auswärts ein Tor erzielt und müssen nur 1-0 gewinnen, um in die nächste Runde zu kommen.
Auf geht's Dortmund, kämpfen und siegen!
BVB: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Bender, Kehl - Kuba, Kagawa, Großkreutz - Lewandowski
Hannover: Zieler - Cherundolo, Eggimann, Pogatetz, Schulz - Stindl, Pinto - Schlaudraff, Pander - Diouf, Abdellaoue
Spielleiter: Manuel Gräfe
Spielort: Das wunderschöne Westfalenstadion, Sonntag um 17.30 Uhr. Nachlegen vor ausverkauftem Haus. Bis jetzt noch nicht ganz. Hannover hat 750 Karten zurückgeschickt. Der Spurt zur Tageskasse könnte erfolgreich sein.
steph, 24.02.2012
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